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    TheCellist.com
    Daniel Müller-Schott

    CD-Kritiken

    „He plays wide, beautifully, without
    drowning the winding outlines of
    these monologues.” Diapason

    Schostakowitsch- Cello Concertos
    BBC
    Pizzicato
    BBC Music
    Grammophone
    Exceptional
    Preis der Deutschen Schallplattenkritik
    The Strad Selection
     
     
     

    Mit seiner Aufnahme der beiden Cellokonzerte von Dmitri Schostakowitsch bestätigt Daniel Müller-Schott eindrücklich seinen Ruf als einer der führenden Cellisten der jüngeren Generation.

    Mit federnder rhythmischer Prägnanz geht er den marschartigen Kopfsatz des 1959 entstandenen Es-Dur-Konzerts an, um dann im langsamen Satz seinen grossen, aber stets klar zentrierten Ton umso freier und expressiver ausschwingen zu lassen. Und in der Solokadenz sowie im Finale setzt er nicht auf vordergründige Brillanz, sondern gibt auch den gespenstisch-makabren Untertönen Raum. Die Partnerschaft mit dem Dirigenten Yakov Kreizberg und dem präzis und hellhörig agierenden Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks lässt schon in diesem Werk keine Wünsche offen. Besonders schön kommt sie aber im G-Dur-Konzert von 1966 zum Tragen: Denn in diesem düsteren, von Krankheit und Resignation gezeichneten Spätwerk hat Schostakowitsch nicht nur die Ausdruckskontraste deutlich geschärft, sondern auch den Cellopart noch stärker in einen quasi-kammermusikalischen Dialog mit den Orchestersolisten eingebunden.

    Wie subtil die Interpreten diese Dialogpartien ausleuchten und dennoch nie die grossen Spannungsbögen aus den Augen verlieren, ist bewundernswert; und wie selbstvergessen sie den letzten Satz mit seiner magisch tickenden rhythmischen Schlussformel ausklingen lassen, bleibt lange im Gedächtnis haften.

    F. Meyer, Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2008

    “As Daniel Müller-Schott intimates in his own perceptive booklet note for this release, the two Shostakovich cello concertos, although separated by just seven years, inhabit very different worlds. Müller-Schott reflects this in his cello-playing: where No 1 still has an element of post-Stalinist optimism about it, to No 2 he brings home the desperation of the composer's situation, beset with heart and neurological illness. The soloist is set well forward in the aural picture, which emphasises Müller-Schott's eloquent tone and expression, but Yakov Kreizberg and his orchestra play their own part, with particularly vivid percussion in the Second Concerto. A gripping disc.”

    Daily Telegraph, June 2008

    “The dark-hued and deeply introspective Second remains an elusive, enigmatic work, and it's Daniel Müller-Schott's masterly performance of that which makes this disc especially impressive. Müller-Schott studied the two concertos with Rostropovich, but his tempi for the second are much slower than his teacher's so that the work's sombre subtext - the soloist as the creative artist, pitted against the repression of the Soviet state represented by the orchestra - is impossible to ignore with a finale that ends, like Shostakovich's 15th Symphony, with the death rattle of ticking percussion. Yakov Kreizberg and the Bavarian Radio Symphony provide outstanding support.”

    The Guardian, July 2008 **** (on the Second Concerto)

    Erik Levi ist tief beeindruckt von der Überzeugung und Prägnanz, mit der Cellist Daniel Müller-Schott zwei der großartigsten Konzerte des letzten Jahrhunderts angeht

    Es gibt mehrere hervorragende Versionen von Schostakowitschs erstem Cellokonzert (von Han-Na Chang und Rostropowitsch, dem Widmungsträger des Werkes, auf EMI, sowie von Yo-Yo Ma auf Sony, um nur zwei zu nennen), doch diese frisch eingespielte Veröffentlichung des deutschen Cellisten Daniel Müller-Schott ist unter den besten einzuordnen. Von Anfang an ist in seinem Spiel eine wahrhafte Eindringlichkeit spürbar, und Müller-Schotts messerscharfe Artikulation in den äußeren Sätzen schafft es, rhythmische Prägnanz und eine energiegeladene Vortragsweise miteinander zu kombinieren.

    Das Orchester unter Yakov Kreizberg unterstützt ihn durchgehend auf erstklassige Weise, wobei die Holzbläser in der gleichsam plappernden Passage im Finale besonders sarkastisch klingen, während die Streicher und Timpani jedes Staccato mit brutaler Perkussivität angreifen. Man könnte Einwände erheben gegen Kreizbergs übermäßig in die Länge gezogene Konzeption der Orchestereinleitung zum zweiten Satz (es ist eher ein Largo als das vom Komponisten vorgeschriebene Moderato), obgleich das Tempo nach Müller-Schotts erstem tief gefühlten Einsatz eine weitaus größere Fluidität erreicht. In der Tat klingt Müller-Schotts Reprise des Hauptthemas mit Flageolett-Tönen, nachdem er sich zuvor zu einem extrem kraftvollen Höhepunkt gesteigert hat, ganz besonders traurig und ebnet so den Weg für eine Kadenz, die nicht nur durch ihre Virtuosität verwirrt, sondern auch die geballte Spannung erzeugt, die notwendig ist, um uns unaufhaltsam in das Finale voranzutreiben.

    Wenn überhaupt, dann ist das zweite Konzert sogar noch beeindruckender. In den äußeren Sätzen riskieren Müller-Schott und Kreizberg Tempi, die erheblich langsamer sind als die von Rostropowitsch auf seiner DG-Aufnahme mit Seiji Ozawa und dem Boston Symphony Orchestra favorisierten Tempi. Die offensichtliche Gefahr dieses sehr breiten Ansatzes liegt darin, dass das musikalische Argument allzu leicht abschweifend und richtungslos wirken kann. Doch Solist und Dirigent vermitteln jede Note mit solcher Überzeugung, dass man augenblicklich in die dunkle und grüblerische Atmosphäre der Musik gezogen wird. In seinen aufschlussreichen Booklet-Anmerkungen behauptet Müller-Schott, dass dieses Werk vielleicht „das emotional vielschichtigste aller Cellokonzerte sei“ und unterstreicht diese Behauptung, indem er die einfachsten Motive mit schier unendlichem Nuancenreichtum ausstattet. Gleichzeitig gehen die Soloinstrumente des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks eine zutiefst intime kammermusikalische Gemeinschaft mit dem Cello ein. Im Kontext eines derart selbstbeobachtenden Ansatzes scheinen die wenigen Momente, in denen Schostakowitsch die Kraft des gesamten Orchesters entfesselt, umso überwältigender. In ganz besonderem Maße gilt das für die ungewöhnlich düstere Umwandlung des populären Gassenhauers aus Odessa kurz vor dem Ende des Finales im zweiten Satz.

    Unter den größten Rivalen, die beide Konzerte auf einer CD bieten, verlangt das engagierte Spiel von Mischa Maisky mit dem London Symphony Orchestra unter Michael Tilson Thomas (DG) noch ernsthafte Berücksichtigung, obwohl im Vergleich Maisky die Sololinie im zweiten Konzert nicht immer mit demselben Grad an Intensität vermittelt wie Müller-Schott.

    BBC Music Magazine, Proms 2008

    Darbietung *****
    Klang *****

    Er joggt gern und spielt Badminton, fühlt sich der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts eng verbunden, und er gewann 1994 den Cello-Preis beim Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau. Diese unterhaltsamen Informationen, der Vita auf seiner Website entnommen, verblassen jedoch neben einer einzigen Tatsache, die einem schlagartig bewusst wird, sobald man das Eröffnungsstück seiner CD, Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1, hört: Daniel Müller-Schott ist ein wunderbarer Musiker.

    Der 32-jährige Deutsche wird von seinem Instrument unterstützt, das Matteo Goffriller um 1700 baute und das sich durch die überragende Wärme und die Tiefe seines Tons auszeichnet. Doch es bedarf einer schneller Auffassungsgabe, will man mit Schostakowitsch Schritt halten, ganz abgesehen von einem Dirigenten und einem Orchester (Yakov Kreizberg und das Bayerische Radio-Symphonie-Orchester), die bestrebt sind, das Stück voranzutreiben.

    Auf allen Aufnahmen – das zweite, eher düstere Konzert von 1966 ist ebenfalls enthalten – schafft es Müller-Schott auf einzigartige Weise, seinen reichen und hinreißenden Celloton zu bewahren, ohne der Musik ihr Vermögen zu mindern, den Zuhörer mit einem Stich ins Herz zu packen.

    Man hört seine einsame Eloquenz, während er die Höhen des zweiten Satzes im Konzert Nr. 1 erklimmt und das gespenstische Zittern auf seinem Gipfel, wo sich die Flageolett-Töne des Cellos mit der Celesta in einem überirdischen Duett verbinden. Das zweite Konzert wird mit gleicher fieberhafter Intensität vorgetragen.

    Gelegentlich wünscht man sich doch einen Extrahappen: etwa das Ende des Finales im ersten Konzert, das Kreizberg mit einer Welle der Heiterkeit beschließt, in einiger Entfernung von dem „verrückten Treiben“, das Müller-Schott im CD-Booklet erwähnt. Andererseits wirken die Paukenschläge im zweiten Konzert wie Bombenexplosionen. Und zum Teil zündet die Bombe dank des vollen Klangs der Orfeo-Aufnahme, der dem Solisten und dem grandiosen Orchester Tiefe, Raum und Rundheit verleiht. Mir sind sonst keine Versionen dieser Konzerte bekannt, die mit so viel Glanz gespielt oder aufgenommen worden sind.

    Vier Sterne, Geoff Brown, The Times June 27, 2008