• Deutsch
  • English
  •      
    TheCellist.com
    Daniel Müller-Schott

    CD-Kritiken

    „He plays wide, beautifully, without
    drowning the winding outlines of
    these monologues.” Diapason

    Khatchaturian

    Hinter der Maske

    Es gibt himmlische Längen, gewiss. Aber eben auch ziemlich irdische. In Aram Khatchaturians Konzerten rühren sie von der schematischen Formbehandlung her. Orchestereinleitung, erstes Thema, Zwischenspiel, zweites Thema, wieder Zwischenspiel, dann Durchführung. Und so weiter. Nicht zuletzt sollte damit der sowjetischen Parteidoktrin Genüge getan werden - was den Komponisten trotzdem nicht vor Maßregelung schützte. Dem Hörer obliegt es also, hinter die Maske der Konvention zu schauen. Die vorliegende Aufnahme macht es leicht: Daniel Müller-Schott, sicherlich der faszinierendste unter den jungen Cellisten, produziert einen glühend intensiven Ton. So direkt, so rückhaltlos emotional nähert er sich Khatchaturian, dass an der Aufrichtigkeit dieser tragischen Musik kein Zweifel möglich ist. Die Interpretation bebt geradezu vor Adrenalin. Auch Sakari Oramo und das fantastische Orchester sind Feuer und Flamme.

    Live-Mitschnitt oder nicht? Wir erfahren es nicht. Dabei sind im Violinkonzert deutliche Saalgeräusche zu vernehmen. Kleine Unsauberkeiten im Orchester bleiben unkorrigiert. Arabella Steinbacher, 1981 in München geboren, gibt hier ihr Plattendebüt: technisch makellos, absolut geschmackssicher und dazu mit einem Klang, dessen voluptuöse Sinnlichkeit unmittelbar an Anne-Sophie-Mutter erinnert.

    Die Behauptung, die Instrumente des Bonner Geigenbauers Peter Greiner hielten dem Vergleich mit den besten alten „Italienern“ stand, bestätigt sich diesmal allerdings nicht: Steinbacher im Jahre 2002 gebautes Exemplar tönt noch reichlich belegt und glanzlos, das fällt im Vergleich zu Müller-Schott’s herrlichem Gofriller um so mehr auf.

    Anselm Cybinski, Fono-Forum 08/04

    Interpretation *****
    Klang ****

    Mit glänzender Tonschönheit (Arabella Steinbacher) und klangvoll-nachdenklicher Introversion (Müller-Schott) wird Khatchaturians Konzerten nicht nur Existenzrecht zugestanden; es wird ihnen auch ein legitimer Platz innerhalb der Musik des 20. Jahrhunderts dank des kunstvollen Vortrags durch die jungen Solisten zugewiesen.

    nmz, Mai 2004

    CD of the week: Daily Telegraph London
    Khachaturian: Cello Concerto; Violin Concerto

    With Khachaturian, the world of Spartacus and the Sabre Dance is never that far away, but in these two concertos he managed to forge his fruity lyricism, exotic melodic tracery and propulsive rhythms into strongly structured works that have more than mere spectacle about them.

    The Cello Concerto (1946) is a darkly hued piece, maybe influenced by wartime worries and certainly played with a wealth of intensity and angst here by Daniel Müller-Schott. This is music of apprehension, storm and stress, with a disturbed, furrow-browed elegy as its central movement. It is a proper concerto, allowing the soloist the limelight when it comes to virtuosity and melody, but the orchestra's harmonic and tonal palette reinforces the music's troubled context.

    The Violin Concerto (1940) comes rather closer to the more exuberant mood of the Khachaturian ballets, more sultry than sombre, more spry than shadowy, but its innate passion and distinctive Armenian colouring are firmly harnessed by Arabella Steinbacher.

    GN

    Brennende Saiten

    ... Die CD Veröffentlichung zeigt, dass Grenzen des Stils und des Temperaments von jungen deutschen Musikern heute leichter überwunden werden als ehedem. Bei Daniel Müller-Schott fleht und brennt das 1946 uraufgeführte Cellokonzert mit dem richtigen östlichen Seelenton - auch er wird superb begleitet von Oramo und dem Orchester aus Birmingham.

    Götz Thieme, Stuttgarter Zeitung 21. April 2004

    Düstere Note im Klangrausch
    Khatchaturian: Cello- und Violinkonzert

    Von Kurier-Mitarbeiter
    Christoph Forsthoff

    Sie sind jung, attraktiv und streichen perfekt die Saiten. Als Duo sind die Geigerin Arabella Steinbacher und der Cellist Daniel Müller-Schott schon häufiger aufgetreten, nun haben die beiden sich für ein CD-Projekt zusammen getan, zu Khatchaturians 100. Geburtstag dessen Solo-Konzerte eingespielt. Und entpuppen sich dabei temperamentsmäßig als
    feurige Verwandte: Da sprühen die Virtuosen-Funken, pulst die Leidenschaft, und die wechselnden Stimmungsbäder werden mit raumgreifenden Strichen durchlebt. Faszinierend, mit welcher Innigkeit die 23-jährige Geigerin in der meditativen Melancholie des Andante versinkt, um dann ihre Tonfülle in den dissonanten Aufschreien nicht minder eindrucksvoll einzusetzen.

    Solche Musikalität und Geschmackssicherheit zeichnet auch Daniel Müller-Schott aus: Sein Instrument "singt", traumwandlerisch sicher wandelt er durch die vertrackten rhythmischen Strukturen, perlen Läufe und Doppelgriff-Passagen. Und auch die düstere Note des Werkes kommt bei allen Klangräuschen nicht zu kurz, sondern findet in dem seelenvollen Ton des Cellisten einen höchst sensiblen Interpreten. Dass Sakari Oramo bei solch mitreißenden Solisten bereitwillig zurücktritt, unterstreicht seine Größe - dass sein Orchester dennoch brillant aufspielt, macht aus dieser Aufnahme ein hörenswertes (Geburtstags-)Geschenk. Auch wenn die Veröffentlichung nicht ganz zeitgerecht gelang.

    WIESBADENER KURIER, 07.05.2004

    "Dunkel, bedrohlich, spannungsgeladen - so beginnt das Konzert für Violoncello und Orchester von Aram Khatchaturian. Er schrieb es 1946, noch unter den Eindrücken der Geschehnisse des 2. Weltkrieges. Zum Komponieren hatte er sich weit ab von Moskau in die Einsamkeit zurückgezogen und er notierte: "Ich arbeite ohne Anstrengung, manchmal liefen meine Gedanken und Vorstellungen der Hand davon, die sie auf dem Notenblatt fixieren sollte. Die Themen stürmten in solcher Fülle auf mich ein, dass ich es schwer hatte, sie richtig und sinnvoll einzuordnen."

    Das wirkungsvolle Cellokonzert, liegt jetzt in einer Neueinspielung mit dem Solisten Daniel Müller-Schott vor. Partner ist das City of Birmingham Symphony Orchestra unter der Leitung von Sakari Oramo. Das Cellokonzert entstand in einem Haus des sowjetischen Komponistenverbandes, denn in diesem Verband war Aram Khatchaturian aktives Mitglied, seit 1939 stellvertretender Vorsitzender des Organisationskomitees. Dem Sowjetregime war er zeitlebens eng verbunden, hoch dekoriert mit dem Stalinpreis und dem Leninorden. Das Cellokonzert allerdings hatte ihm 1948 eine offizielle Rüge eingebracht, es sei zu formalistisch, bourgeoise und dekadent. Khatchaturian entschuldigte sich daraufhin öffentlich und behauptete, in seinen kurz nach dem Krieg entstandenen Werken habe er sich von seiner "heimischen Sphäre" zu weit entfernt.

    Wenige Jahre später, nach dem Tod Stalins, bezog er Stellung gegen die bürokratische Bevormundung, hat sich dennoch aber stets mit dem Regime arrangiert. Schließlich war er ein angesehener Professor am Moskauer Konservatorium. Khatchaturian wurde auch von der Musikwissenschaft der DDR als kommunistischer Künstler vereinnamt. So heißt es in einem 1972 in Leipzig erschienenem Lexikon: Das Konzert für Violoncello und Orchester spiegele in seiner Grundhaltung Kampf und Tragik des Großen Vaterländischen Krieges wider. Solche Deutungen haben nicht gerade zu einen unproblematischen, unvoreingenommen Umgang mit den Werken Khatchaturians geführt. Der Staatskünstler habe zu viele Konzessionen an den sozialistischen Realismus gemacht, seine Werke seien zu vordergründig auf Effekte bedacht, lautet der Vorwurf, der sicher nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

    Zahlreiche Variationen der immer gleichen Themen und Strukturen gehören sicherlich zu den charakteristischen Kennzeichen seiner Musik. Doch man sollte differenzieren. Das Cellokonzert hat durchaus Tiefgang und ist sicher mehr als nur ein Vorzeigestück für einen Virtuosen. Der Armenier Aram Khatachurian war selbst Cellist, dem Solisten hat er einen technisch anspruchsvollen, aber äußerst dankbaren Part komponiert. Eingängige Themen, Nationalkolorit und sehr farbige Orchesterbehandlung prägen das dreisätzige Konzert, für das sich Daniel Müller-Schott als versierter und leidenschaftlicher Anwalt erweist.

    Es ist die vierte CD des 28 jährigen Cellisten, der u.a. bei Heinrich Schiff und Steven Isserlis studierte, mit 15 den 1. Preis des Internationalen Tschaikowsky Wettbewerbs für junge Musiker in Moskau gewann und seit einiger Zeit auch als Kammermusikpartner von Anne Sophie Mutter für Furore sorgt. Technisch scheinbar mühelos, mit Brillanz und großer Musikalität gestaltet Daniel Müller-Schott den wuchtigen Schluss aus Khatarurians Cellokonzert."

    WDR Klassik Hörzeichen, Eva Kullmer, 30. März 2004