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    TheCellist.com
    Daniel Müller-Schott

    CD-Kritiken

    „He plays wide, beautifully, without
    drowning the winding outlines of
    these monologues.” Diapason

    Haydn - Cello Concertos
    Luister

    "Beste Einspielung des Repertoires"

    Luister Magazin, Oktober 2003, Niederlande

    "Genialer Haydn" - Höchste Wertung für Interpretation und Klang

    Fono Forum, Oktober 2003

    "Strongly recommended"

    Gramophone, Oktober 2003 (Grossbritannien)

    Ganz spontan, die Attacke
    Der Cellist Müller-Schott funkelt mit Haydn und Beethoven

    Wer den Cellisten Daniel Müller-Schott vor etwa einem Jahr im Bonner Beethovenhaus erlebte bei der Aufführung der Trios op. 8 von Johannes Brahms und op. 1 No. 3 von Beethoven (gemeinsam mit Anne-Sophie Mutter und André Previn), der konnte den Eindruck haben, zwei Werken namens "Die drei Temperamente" zuzuhören: Previn spielte souverän und gelassen, Mutter konzentriert, Müller-Schott aber unbekümmert bis stürmisch, die Freiräume, die ihm der Notentext bot, für temperamentvolle Ausbrüche aus dem gediegenen Ensemble nutzend.

    Ein Teil des bemerkenswerten Erfolges, in dem sich der Cellist, Jahrgang 1976, zur Zeit sonnen kann, mag mit dieser jugendlichen Aura zu tun haben, die er selbst auch in seiner äußerlichen Erscheinung ein wenig kultiviert. Müller-Schotts Spiel hat überbordendes Temperament, gleichzeitig einen Farben- und Nuancenreichtum, der glaubhaft macht, daß aus dem intelligent-unbekümmerten Feuerkopf ein mit allen Wassern gewaschener Interpret werden kann. Erstmals hatte er, weil so gar nicht vergrübelt, auf sich aufmerksam gemacht mit einer CD-Interpretation der Solo-Suiten Bachs. Eine zweite Platte mit Sonaten der Romantik bewies, daß Müller-Schott das stark empfindende Herz auf dem rechten Fleck hat. Nun hat er sich von den beiden Haydn-Konzerten gewissermaßen in die Pflicht nehmen lassen - denn Haydns Esprit braucht, um zu funkeln, neben dem musikantischen Zugriff auch intellektuelle Disziplin.

    Das Australian Chamber Orchestra unter seinem Konzertmeister Richard Tognetti kultiviert jenen herb-elastischen Klang, der heute für alle Ensembles, die sich mit der Musik des achtzehnten Jahrhunderts beschäftigen, ein Muß ist. Daniel Müller-Schott hat sich, diesem Originalklang-Ideal Tribut zollend, von seinem Kollegen Steven Isserlis ein 1740 erbautes Cello des Venezianers Domenico Montagnana geborgt und denkt sich zusammen mit dem Orchester in die Klangwelt Haydns hinein: graziös, beweglich, mit Sinn für den überraschenden Effekt, die spontane Attacke, den lyrischen Augenblick.

    Aber ein Moment der Spannung zwischen dem Temperament Haydns und demjenigen Müller-Schotts bleibt... Kein Halten gibt es mehr bei der zweiten der beiden Romanzen, die Beethoven für Violine und Orchester geschrieben und Müller-Schott nun überzeugend für sein eigenes Instrument bearbeitet hat. Hier kocht die Leidenschaft: Ja, Beethoven war ein Romantiker! Langweilig ist das nicht.

    Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 02.08.03, MICHAEL GASSMANN

    Emporragender Tiefgang und reife Jugend

    Merkwürdig, aber wahr: Sooft eine der beiden Violinromanzen von Beethoven ertönt, regt sich der kindliche Wunsch, diese herzergreifenden, mal gravitätisch schreitenden und dann wieder leichtfüßig und empfindsam singenden Klänge mögen nie - bitte nie! - versiegen. Dem jungen Cellisten Daniel Müller-Schott scheinen sie ähnlich eng ans Herz gewachsen zu sein. Was sonst, außer dem anregenden Stoß seines prominenten Kollegen, Steven Isserlis, hätte ihn wohl dazu bewogen, sie für sein Instrument umzuarbeiten und sie somit in sein Repertoire aufzunehmen?

    Wenn Beethoven sie so, wie sie nun erstmals von Müller-Schott und dem Australian Chamber Orchestra eingespielt worden sind, hören könnte, er würde ihm, jeglichen Narzißmus mal beiseite legend, den stimmbruchartigen Eingriff an seinen Werken anstandslos verzeihen, ja, vielleicht sogar mit dem Gedanken spielen, ihm mindestens drei Orden zu verleihen: einen für das intelligente Arrangement, einen für die Wahl seines hervorragenden Begleitorchesters und einen für diese sensible und hingebungsvolle Interpretation.
    Dabei sind die beiden Romanzen - op. 40 und op. 50 - jeweils nur stimmungsvolle "Anhängsel" nach den beiden berühmten Cellokonzerten in C- und D-dur von Joseph Haydn. Über sie müssen heute nicht mehr allzu viele Worte verloren werden. Jedem auch nur entfernten Liebhaber für das sonore Streichinstrument sind sie bereits mehrfach zu Gehör - vielmehr: zu Gemüt gekommen, egal, ob im Rundfunk, auf Tonträger oder im Konzertsaal, egal, ob von namhaften oder unbekannten Interpreten. Beide - in jedem Fall das C-dur-Konzert - scheinen wegen der äusserst hohen technischen Anforderungen und ihres fidelen, heiter-gefälligen und vor allem seelenrührenden Charakters keinesfalls im Repertoire fehlen zu dürfen. Doch trotz ihrer Popularität ist es nicht gerade so, als schreie die Musikindustrie nach einer weiteren Einspielung dieser.

    Davon jedoch abgesehen wird auf der vorliegenden CD eine oft gemachte Erfahrung mit jungen Musikerinnen und Musikern wiederholt: Vom ersten bis zum allerletzen Akkord vermitteln sowohl das Ensemble als auch der Solist jugendlich frische, energiegeladene Spielfreude und bewegen ihr Publikum mit reifem, musikalischem Einfühlungsvermögen in die Kompositionen und dem klassisch ästhetischen Ideal im Hinterkopf.

    Der aufgeweckte, natürliche und starallürenfreie Müller-Schott, der längst kein Geheimtipp mehr ist, erinnert mit seinem Spiel an sein allererstes Idol, Yo-Yo Ma, ohne freilich diesem blind nachzueifern. Dieser riskant anmutende Vergleich begründet sich nicht nur in dessen technisch erstaunlich sicherer und virtuoser Ausprägung und der dabei umwerfenden Leichtigkeit und Vitalität mit einem bescheiden reinen, formschönen Ton. Ma ist es nämlich auch, der den damals Fünfjährigen laut eigener Aussage bei einem Konzert so sehr beeindruckt hat, dass für ihn ab diesem Zeitpunkt feststand, dass er selbst Cellospielen lernen werde.

    Nach seinem beeindruckenden CD-Debüt mit Bachs Cellosuiten im Jahre 2000 und den Cellosonaten französischer Impressionisten zusammen mit dem Pianisten Robert Kulek 2002, ist im Juni 2003 also bei ORFEO ein Produkt veröffentlicht worden, bei dem - als rein vorübergehende Bestandsaufnahme natürlich - nun endlich ein leicht abgewandelter Spruch mühelos über die Lippen geht: Alle großartigen Dinge sind drei!

    Gabriele Pilhofer, Klassik.com, 27.08.2003